Banner

skip to content
Excerpt 2/2006 PDF Print E-mail

Sorry, no English translation available. FOOD DESIGN is a German language publication.

Starkes Herz

Ingredienzien für Herz und Kreislauf

Mit Herz-/Kreislaufproblemen ist nicht zu spaßen. Doch viele Betroffene wenden sich erst an den Arzt, wenn die Beschwerden gravierend werden. Functional Food Hersteller entwickeln zunehmend Produkte, mit deren Hilfe die Gesundheit von Herz und Kreislauf schon in einem frühen Stadium unterstützt werden kann.

Im Frühjahr 2005 hat die Marktforschungsorganisation Leatherhead Food International ihren neuen Marktreport zu „Heart Health“-Produkten veröffentlicht. Der Report bewertet den weltweiten Markt für das Jahr 2004 mit 3,6 Milliarden US-Dollar und prognostiziert für den Zeitraum zwischen 2004 und 2009 ein Wachstum um 60 Prozent auf 5,7 Milliarden Doller.
Cerealien haben derzeit mit 46 Prozent den größten Marktanteil in diesem Sektor. Doch Produkte, die zum Beispiel den Cholesterinwert aktiv senken, sind stark im Kommen - so beispielsweise im Molkerei- und Fruchtsaftbereich.
Produktneueinführungen verwenden momentan in erster Linie solche Ingredienzien, deren gesundheitsrelevante Wirkung bereits ausführlich wissenschaftlich belegt ist. So etwa Ingredienzien aus Soja, Omega-3-Fettsäuren, Pflanzensterole, Nahrungsfasern, die Vitamine C und E, Folsäure und Kalium. Doch auch neue Ingredienzien wie Carotinoide oder B-Vitamine werden ebenfalls immer häufiger eingesetzt. Vor allem Phytosterolen und Polyphenolen wird eine gute Zukunft vorhergesagt.

Den Blutdruck in den Griff kriegen

Vielen Verbrauchern macht ein zu hoher Blutdruck zu schaffen - und die Anzahl der betroffenen Personen wird weiter drastisch ansteigen. Rund zwei Drittel der Fälle von Schlaganfall und die Hälfte aller Herzkrankheiten können einem zu hohen Blutdruck zugeordnet werden.
Häufig lässt sich mit einer gesünderen Lebensweise, Sport und vor allem einer gesunden Ernährung gegensteuern. Dieser Trend wird zukünftig auch von der Nahrungsmittelindustrie aufgenommen werden. Entsprechende Ingredienzien werden bereits angeboten.
Japan war das erste Land, das als Antwort auf die zunehmende Anzahl Bluthochdruck-bedingter Todesfälle eine Reihe von Präparaten auf den Markt gebracht hat, die blutdrucksenkende Milchsäurebakterien enthalten.
Auch der niederländische Milchverarbeiter DMV vermarktet jetzt mit C12 peptide ein blutdrucksenkendes Peptid, das in Japan bereits zur Anreicherung eines FOSHU-Getränks eingesetzt wird, in Europa und den USA jedoch derzeit nur in Form von Nahrungsergänzungsmitteln auf dem Markt ist.
In Europa war es der finnische Hersteller von Molkereiprodukten Valio, der die ersten Blutdruck senkenden Milchprodukte auf den Markt gebracht hat. Die Milch wird mit der Evolus-Bakterienkultur fermentiert. In der Schweiz wird seit September 2005 von Emmi ein Evolus-Joghurtdrink unter Lizenz von Valio hergestellt und vertrieben.
Bioaktive Peptide zählen zu den Proteinen. Bei der Verdauung und auch bei der Fermentation durch Bakterien werden die großen Proteine zunächst in kleinere Einheiten, die Peptide, zerlegt. In einem weiteren Schritt werden die Peptide dann in Aminosäuren, den Einzelbestandteilen der Peptid- und Proteinmoleküle, zerlegt. Einige Peptide aus Milchprotein sind bioaktive Peptide, die neben der Nährstofffunktion auch noch eine physiologische Funktion besitzen. Sie wirken beispielsweise Blutdruck senkend, beruhigend, antimikrobiell und immunmodulierend. Die bioaktiven Peptide in Evolus bestehen aus jeweils 3 Aminosäuren und werden IPP (Isoleucin-Prolin-Prolin) und VPP (Valin-Prolin-Prolin) genannt. Bei Valin und Isoleucin handelt es sich um essentielle Aminosäuren, die der Körper nicht selber herstellen kann.
Unilever hat nun entsprechend nachgezogen und vermarktet unter der »Becel«-Dachmarke ein Milchgetränk, das mit dem Lactotripeptid Ameal S angereichert ist. AmealPeptide ist ein von japanischen Unternehmen Calpis patentiertes Peptid und in Japan als FOSHU (Food for Specified Health Use) eingestuft. Wie auch Evolus wird Ameal S durch die enzymatische Hydrolyse von Casein gewonnen, wodurch Tripeptide entstehen.
Inzwischen hat auch Chr. Hansen ein Milchsäurebakterium entwickelt, das als Bestandteil von Joghurt und anderen Lebensmitteln Blutdruck senkende Wirkung zeigt. Milch, die mit dem Stamm Lactobacillus helveticus Cardi-04TM fermentiert wurde, reduziert den Blutdruck und die Herzfrequenz. Allerdings sind derzeit noch keine Endprodukte mit Cardi-04 auf dem Markt.

Saft für’s Herz

Fruchtsäfte zählen zu den wichtigsten Produktgruppen innerhalb der angereicherten Lebensmittel. Die meisten Säfte enthalten natürlicherweise einen hohen Anteil an Vitaminen und Antioxidantien und werden daher allgemein als gesund eingestuft. Eine speziell auf Herz und Kreislauf ausgerichtete Wirkung wird dagegen so gut wie nie ausgelobt. Dennoch haben einige Safthersteller begonnen, mit einer Reihe von Spezialprodukten dem Markt für Molkereiprodukte und dem Cerealien-Markt - beides angestammte Märkte für Herz und Kreislauf unterstützende Produkte - Paroli zu bieten.
Säfte, die gesund für Herz und Kreislauf sind, werden künftig ein interessantes Marktsegment darstellen. Damit sollen sie Molkereiprodukten auch in diesem Sektor Konkurrenz machen.
Eines der ersten Produkte - Granatapfelsaft - kam bereits 2003 auf den Markt und ist seither die Saftsorte mit der höchsten Wachstumsrate. Den höchsten Anteil daran hat der Hersteller RJA Foods mit seiner »Pomegreat«-Linie. Granatapfelsaft ist reich an Antioxidantien und Phytoöstrogenen und soll die Arterien vor Verstopfung schützen und die Cholesterin-Oxidation signifikant reduzieren.
Der englische Hersteller Provexis hat mit seinem Tomaten-haltigen Getränk der Marke »Sirco« ein Getränk in englische Supermarktregale gebracht, das auslobt “das Herz gesund zu halten und die Blutzirkulation zu unterstützen”. Wirkstoff ist ein bioaktiver Tomatenextrakt mit starker antioxidativer Wirkung. Weitere Säfte auf Basis von Heidelbeeren beziehungsweise Apfel sind mittlerweile dazu gekommen.
Auch Coca Cola plant in England seine Getränkelinie »Minute Maid« mit einem mit Pflanzensterolen angereicherten Getränk zu erweitern.

Gutes aus der Tomate

Ein wirkungsvolles Tomatenextrakt wurde vom israelischen Unternehmen LycoRed entwickelt. Regelmäßig verzehrt soll Lyc-O-Mato nach Untersuchungen der Universität Negev bei leichtem Bluthochdruck eine Blutdruck senkende Wirkung besitzen. Bei einer täglichen Einnahme des verkapselten Produkts zusätzlich zur normalen Nahrung sollen der systolische und der diastolische Blutdruck nach etwa acht Wochen um zehn beziehungsweise vier Punkte sinken. Eine Reduzierung des Blutdrucks vom Bluthochdruck 1. Grades zu einem normalen bis leicht erhöhten Blutdruck wird von den Wissenschaftlern als signifikanter Effekt bezeichnet.
Der Tomatenextrakt enthält eine Mischung hochwirksamer Antioxidantien wie Lycopin, Beta-Carotin, Vitamin und weitere Pflanzennährstoffe. Die Wissenschaftler vermuten, dass diese Antioxidantien für die Blutdruck senkende Wirkung verantwortlich sind, denn sie oxidieren das Endothelium. Dies sind die Zellen, die für die Entstehung des Arterienbelags verantwortlich sind und die Gefäßerweiterung beeinträchtigen und damit den Anstieg des Blutdrucks bewirken.

Den HDL steigern

Bei schlechten Cholesterinwerten setzen die Maßnahmen üblicherweise bei der Senkung des LDL-Cholesterinwertes an. Neue Möglichkeiten für die Lebensmittelindustrie ergeben sich aus dem Denkansatz, nicht den LDL-Wert zu senken, sondern den HDL-Wert weiter anzuheben.
Mögliche Optionen für Produktentwickler wären etwa die Anreicherung mit Omega-3-Fettsäuren, löslichen Nahrungsfasern oder Polyphenolen sowie der Austausch gesättigter Fettsäuren durch ungesättigte.

Weitere Informationen:

www.amealpeptide.com
www.ameals.com
www.chr-hansen.com
www.dmv-international.com
www.emmi-evolus.ch
www.leatherheadfood.com
www.lycored.com
www.pomegreat.com
www.valio.com