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Was Kindern schmeckt
Sensorik von Kinderartikeln - analytisch und affektiv
Was Kinder besonders gern mögen, entspricht häufig überhaupt nicht dem Geschmack der Erwachsenen. Eine erfolgreiche Produktentwicklung sollte daher von einem reinen Kinder-Sensorikpanel begleitet werden.
Kinder und Jugendliche werden heute mit einem zielgerichteten Marketingmix zum Kaufen verführt. Vor dieser Vermarktungsstufe stehen allerdings zahlreiche Tests, mit deren Hilfe getestet wird, ob ein Produkt bei der Zielgruppe Kids gut ankommt - oder nicht. Die Methoden dazu liefert die analytische und affektive Sensorik. Als Messinstrumente werden dabei die menschlichen Sinne Sehen, Riechen, Schmecken, Hören und Fühlen eingesetzt.
Affektiv oder analytisch
Bei der affektiven Sensorik - auch als Verbrauchertests bekannt - werden die persönlichen Vorlieben und Einstellungen der Verbraucher untersucht. Mehrere hundert untrainierte Käufer und Nutzer des Produktes müssen dazu nach ihrer Meinung befragt werden. Konsumenten sind in diesem Fall die Kinder selbst, manchmal auch ihre Mütter, die ihnen diese Produkte kaufen sollen. Sie werden im Vorfeld nach demographischen Faktoren, wie Alter, Geschlecht, Erziehung und Bildung ausgewählt.
Dagegen liefert die analytische Sensorik eine Antwort auf die Frage nach dem "Warum". Hier wird objektiv die Intensität der einzelnen Merkmalsausprägungen gemessen.
Diese beiden sensorischen Methoden - affektiv und analytisch - müssen im Ansatz streng voneinander getrennt werden. Um die Ursachen für Präferenzen erkennen zu können, ist jedoch eine Verknüpfung und statistische Interpretation der Ergebnisse beider Methoden nötig. Nur so können Rückschlüsse auf die Bedeutung einzelner Produkteigenschaften für die Verbrauchereinschätzung und deren Ausprägung gezogen werden.
Kinder in der Sensorik
Es gibt viele gute Gründe, Kinder zu sensorischen Tests hinzuzuziehen.
Ein wesentlicher Grund ist die Kaufkraft dieser Altersgruppe: Jedes Kind zwischen 7 und 15 Jahren verfügt heutzutage über eine beträchtliche Menge an Taschengeld. Alleine in Deutschland beläuft sich diese Summe auf einen zweistelligen Milliarden Betrag.
Auch beeinflussen Kinder das Einkaufsverhalten ihrer Eltern bei Nahrungsmitteln bis zu 80%.
Bereits kleine Kinder besitzen ein sehr ausgeprägtes Markenbewusstsein. Schon Kleinkinder erkennen Markenlogos wieder, ohne dass diese bewusst gelernt wurden.
Kinder achten auf andere Einzelheiten als Erwachsene, haben andere Präferenzen, setzten ihre Schwerpunkte anders - ihnen ist manchmal die Beigabe wichtiger als die Schokolade selbst. Außerdem handhaben sie Produkte aufgrund ihrer kindspezifischen Größe und Motorik anders: Kleine, motorisch ungeübte Hände tun sich oft sehr schwer beim Öffnen einer Verpackungen.
Vorliebe und Abneigung
Um die Sensorik richtig einsetzen zu können, muss man sich mit der Physiologie der Sinne auseinandersetzen. Dazu gehört auch die Ausbildung von Präferenzen.
Die Entwicklung der Sinnesorgane beginnt bereits ab der 7. Schwangerschaftswoche. Im letzten Schwangerschaftsdrittel sucht der Fetus Berührungsreize, er vermag zu schmecken und zu hören. Zum Zeitpunkt der Geburt ist der Tastsinn weit entwickelt, der Geruchs- und Geschmackssinn recht weit, das Gehör mäßig und der Gesichtssinn ist nur rudimentär vorhanden. Das ändert sich in den ersten Lebensjahren sehr stark und im Erwachsenenalter reagieren die Sinne nahezu umgekehrt. Wie man eindeutig nachweisen kann, besitzen Kinder im Vergleich zum Erwachsenen ein Vielfaches an Geschmackspapillen; die Vernetzung der Nerven ist jedoch noch nicht weit fortgeschritten. Den Kindern fehlen die Erfahrungen, die Erwachsene durch jahrzehntelanges Probieren, Vergleichen und Zuordnen erwerben.
Viele Studien zeigen: Neugeborene und kleine Kinder haben bereits ihre eigenen Vorlieben bezüglich der Grundgeschmacksarten, sie ziehen süß vor und lehnen bitter ab. Salzig und sauer in kleineren Konzentrationen stehen sie neutral gegenüber. Auch bevorzugen Kleinkinder einfache, glatte Texturen.
Von der Umgebung beeinflusst
Kinder unterliegen in hohem Maß den sozialen Einflüsse durch Eltern, ältere Geschwister und Freunde, die Medien. Den Geschmack frischer Erdbeeren erkennen viele amerikanische Kinder nicht wieder - ihnen ist nur der Geschmack des Erdbeeraromas in Milchprodukten bekannt ... Viele Kinder malen eine Kuh lila, denn sie glauben, dass Kühe wirklich lila sind. Dies lässt auf die überzeugende Wirkung der Medien schließen.
In dieser Phase der Prägung unterliegen Kinder der Meinung ihrer Vorbilder. Dennoch wissen sie sehr wohl, was sie mögen und was ihnen schmeckt.
Das Markenbewusstsein von Kindern ist meist sehr ausgeprägt - häufig werden "Lieblingsmarken" bevorzugt. Hinterfragt man diese jedoch in einem Blindtest, so werden diese Lieblingsmarken zu zwei Dritteln gar nicht wiedererkannt. Intrinsischen Faktoren eines Produkts wird keine starke Beachtung geschenkt. Kinder bevorzugen eine Marke nur so lange, bis sie eine besser schmeckende entdecken, die ihnen bisher noch nicht vertraut war.
Wie testen Kinder?
Früher hatte der Mensch nur seine fünf Sinne - Sehen, Riechen, Schmecken, Hören und Tasten - zur Beurteilung seiner Nahrung. Man verließ sich auf seine eigenen Empfindungen bei der Auswahl seines Essens und wurde nicht von den Medien beeinflusst.
Diese fünf Sinne stehen schon zum Zeitpunkt der Geburt zur Verfügung und so kann bereits in diesem Alter nach Präferenzen geforscht werden. Dies erfolgt über die Bestimmung der Trinkmenge und der Saugintensität sowie durch Videoaufnahmen der Mimik. Eine quantitative Auswertung und Interpretation der Gesichtsmimik ist nicht möglich, aber erste angeborene Vorlieben lassen sich so gut erkennen.
In den ersten Lebensjahren gestaltet sich eine Befragung der Kinder meist sehr schwierig. Unter drei Jahren ist auch eine analytische, paarweise Differenzierung nicht möglich. Diese Altersgruppe kann nur affektiv nach ihren Vorlieben befragt werden. Drei- bis fünfjährige Kinder werden meist in Gegenwart ihrer Mütter befragt. Will man ein brauchbares Ergebnis erhalten, muss die Beeinflussung durch die Eltern möglichst minimiert werden.
Nachdem Kinder dieser Altersgruppe weder lesen noch schreiben können, noch einen Begriff von Zahlen haben, scheidet eine verbale Skale aus. Die Skalen müssen anders gestaltet werden. In vielen Untersuchungen haben sich deshalb facial hedonic scales - oder auch Smileys genannt - bewährt.
Dem Alter entsprechend kann eine 3-, 5- oder 7-Punkte-Skale verwendet werden. Logischerweise muss hier auch bei der Befragung mit möglichst vielen optischen Hilfen gearbeitet werden, da eine rein verbale Darstellung nicht ausreicht. Die Fragen sollten kurz und einfach gehalten sein.
Für diese Altersgruppe wie auch die etwas älteren Kinder gilt, dass eine größere Schrift der Skala und weniger Fragen im Endergebnis effektiver sind. Die Kinder verlieren sehr schnell ihre Aufmerksamkeit und benötigen öfter eine längere Pause. Sie erst lange mit Fragen nach der Verpackung und dem Aussehen hinzuhalten, wenn sie unbedingt sofort das Produkt essen wollen, erweist sich als ebenso sinnlos.
Kindergartenkinder können bereits sehr gut kleine Unterschiede entdecken und beurteilen. Die Kinder liefern reproduzierbare Ergebnisse auf Fragen nach dem Gefallen und Nichtgefallen. Doch verwechseln Kinder bis zu fünf Jahren leicht die Reihenfolge hedonischer Urteile mit denen der Intensität.
Unter acht Jahren brauchen sie immer noch Unterstützung und es sollte nur eine einfache 5-Punkte Skala für eine Beurteilung eingesetzt werden. Ab acht Jahren können sie dann selber lesen und schreiben und sind in der Lage in einem analytischen Panel mitzuarbeiten. Ab diesem Alter lässt sich schon ein Ranking der Intensität durchführen.
Wer macht mit?
Auswahl und Screening von Kindern verläuft nach den gleichen Aspekten wie bei jedem anderen Panel. Als Grundlage dienen die Normen DIN 10961 und ISO 8586, die die physiologischen und psychologischen Aspekt für die Auswahl von Prüfpersonen aufführen.
Für die Auswahl geeigneter Kinder sind Faktoren wie Interesse, Ausdrucksvermögen, Motivation, soziales Benehmen und Teamfähigkeit von größerer Bedeutung. Leider gestaltet sich das Rekrutieren von Kindern in der Praxis nicht gerade leicht, denn sie sind durch unterschiedliche Freizeitaktivitäten und die Schule zeitlich sehr eingeengt. Darüber hinaus müssen manche auch von den Eltern gefahren werden. Beachtet man bei der Planung der Sitzungen die Tatsache, dass sich Kinder nicht sehr lange konzentrieren können und mehr Bewegung benötigen, lässt sich mit Kinder sehr kreativ arbeiten. Dies wird derzeit vor allem im Bereich der Produktentwicklung erfolgreich eingesetzt.
Schulkinder lassen sich gut für Unterschiedsprüfungen, aber auch für deskriptive Tests (Profilprüfungen) von Lebensmitten und speziellen Kinderartikeln einsetzen.
Besonderer Schwerpunkt muss hierbei die Auswahl einer geeigneten Skala und deren Training sein. Der korrekte Umgang mit der gewählten Skala muss bei allen Kindern sichergestellt sein. Die Umgebung, also der Raum, sollte eine für Kinder einladende Atmosphäre aufweisen, sie sollen sich wohlfühlen.
Der gewisse Unterschied
Vergleicht man Kinderpanels mit klassischen Erwachsenenpanels, so ergeben sich neben der unterschiedlichen Arbeitsweise weitere kleine Unterschiede. So können Kinder sehr gut differenzieren, allerdings fehlt ihnen manchmal noch die Erfahrung. Es fällt ihnen deshalb oft schwerer, ihre Sinneseindrücke sprachlich wiederzugeben. Dem Panelleiter obliegt dann die Aufgabe, die Assoziationen zu hinterfragen und mit geeigneten Beispielen zu belegen. Aus diesem Grund bietet sich ein reines Kinderpanel an, wenn reine Kinderprodukte oder Produkte, deren Handling auch für Kinder geeignet sein soll, beurteilt werden müssen. Reine Kinderprodukte sollten nie von Erwachsenen, die diese eigentlich ablehnen, sensorisch analysiert werden.
Für Kinder ist der reale Verzehrszeitpunkt der zu beurteilenden Produkte ein wichtiger Faktor. Cerealien sollten also zur Frühstückszeit getestet werden. Auch spezielle Originalverpackungen müssen in die Verkostungen miteinbezogen werden.
Im affektiven Bereich ist die Sichtweise der Kinder manchmal auf ein Attribut beschränkt. Sie lassen sich leicht durch komplexe Stimuli beeinflussen und verwirren, während Erwachsene ihre Wahrnehmung unterteilen können.
Bei Kindern wie auch bei Erwachsenen sind verschiedene Verhaltensformen zu beobachten. Die Extreme sind Neophobie, also das anfängliche Misstrauen gegenüber neuen Produkten, und Sensation Seaking - die Suche nach ungewöhnlichen, neuen Erfahrungen. Beide Extrema müssen gesondert untersucht und beobachtet werden.
Initiative gefragt
In vielen Ländern existieren bereits seit einigen Jahren eigene Institute, die mit Kindern sehr erfolgreich arbeiten und deren Kreativität nutzen. So werden in den USA zur Zeit von der American Society for Testing Materials Committee 18 (ASTM) "guidelines for sensory testing with children" entwickelt, um den Anwendern offizielle Richtlinien zur Verfügung zu stellen.Aktivitäten sind auch bei uns zu verzeichnen. So fand im September an der Zentralfachschule der Deutschen Süßwarenwirtschaft in Solingen unter dem Motto "Sweet Hits for Kids" ein sehr interessantes Seminar mit internationaler Produktausstellung statt. Der Schwerpunkt des Seminars lag auf dem Marketing spezieller Kinderartikel: Was mögen Kinder? Wie werden Kinderartikel verkauft? Was bringen Beigaben wie Spielzeuge und Bilder?
Auch bei uns sollten in allen Bereichen - von der Produktidee über Konzepte und Prototypen bis zu Akzeptanztests - Kinderpanels eingesetzt werden und zwar in allen Bereichen sowohl affektiv als auch analytisch.
Autor:
Cornelia Ptach
Email:
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Vor allem in den USA wurden viele Studien mit Kindern durchgeführt. Hier werden die Altersgruppen noch weiter unterteilt.
| Amerikanische Bezeichnung |
Deutsches Äquivalent |
Alter |
| Infants |
Säugling |
18 Monate-3 Jahre |
| Toddler |
Kleinkind |
0 - 18 Monate |
| Preschoolers |
Kindergartenkind |
3 -5 Jahre |
| Early readers |
Schulanfänger |
5 - 8 Jahre |
| Pre-Teens |
Schulkinder |
8 - 12 Jahre |
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